Warum kommt es in der Erbengemeinschaft häufig zum Streit?

Beispielsfall:

Das Ehepaar Anna und Walter Müller hat einen Sohn und zwei Töchter und besitzt ein selbst genutztes Einfamilienhaus. Die Eheleute setzen sich gegenseitig zu Erben ein, die drei Kinder zu gleichen Teilen als Erben nach dem Tod des zweiten Elternteils. Ein Testament, wie es viele Eltern machen würden - doch die Probleme sind vorprogrammiert.

Nach dem Tod des längstlebenden Elternteiles erben die Kinder jeweils zu einem Drittel und bilden somit eine Erbengemeinschaft. Als Eigentümer sind die Geschwister verpflichtet, den Nachlass gemeinsam zu verwalten. Dazu gehören etwa die Entscheidung, welche Renovierungsmaßnahmen vorgenommen werden oder ob und in welcher Höhe das Haus vermietet wird. Bei einer dringenden Maßnahme - etwa der Behebung eines Rohrbruchs - kann jeder Miterbe die zur Erhaltung des Hauses notwendigen Entscheidungen auch allein treffen. Das kann der Fall sein, wenn zum Beispiel zwei der drei Geschwister in Urlaub und nicht erreichbar sind. Für die Kosten haften die Erben jedoch gemeinsam. So weit, so gut. Doch als der Bruder arbeitslos wird, wendet er sich an seine Schwestern und bittet um Auszahlung seines Erbteils. Die weigern sich jedoch, da sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen. Die Auseinandersetzung spitzt sich zu, als der Bruder beschließt, seinen Anteil zu verkaufen. Dazu hat er das Recht, gleichzeitig steht den Geschwistern aber ein Vorkaufsrecht zu. Sie dürfen anstelle des Käufers den Eigentumsanteil des Bruders zu den vereinbarten Konditionen erwerben. Dazu ist zwei Monate nach Zugang des notariellen Dokuments Zeit. Da der Bruder keinen Interessenten findet, jedoch dringend Bares benötigt, beantragt er die Zwangsversteigerung. Weit unter Wert geht das Haus auf einen Fremden über. Fazit: Bei Immobilien ist die Aufteilung des Nachlasses unter mehreren Erben alles andere als problemlos. Man ist bis auf die erwähnten Notmaßnahmen nicht allein verfügungsberechtigt. Früher oder später gibt es meist Streit um die Finanzen. Es kommt, wie bei den Müllers, zum Verkauf beziehungsweise zur Versteigerung. Beides hätten sie zwar mit einer testamentarischen Verfügung verhindern können. Besser beraten wäre das Ehepaar Müller jedoch mit einem Testament gewesen, das präzise verfügt, welchen Nachlass jedes Kind erhalten soll - zum Beispiel der Sohn die lmmobilie, jede Schwester dafür einen finanziellen Ausgleich etc. Deshalb ist es sinnvoll, vor der Errichtung eines Testaments die Beratung eines Anwalts mit Schwerpunkt Erbrecht in Anspruch zu nehmen.

 
 

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