Erbschaftsmarketing

Chance für Stiftungen und Vereine

I. Erbschaftsmarketing

Mit dem wachsenden Gemeinsinn und der Reform des Stiftungssteuerrechts zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Errichtung einer Stiftung hat die Zahl der Stiftungen in erfreulichem Maße weiter zugenommen. Vor diesem Hintergrund und angesichts der offensiv in der Öffentlichkeit agierenden großen Anzahl gemeinnütziger Organisationen, Vereine und Gesellschaften wächst der Druck auf Stiftungen und Vereine, um die Gunst der Geber zu konkurrieren.

II. Rahmenbedingungen

In den nächsten zehn Jahren wird ein Vermögenstransfer von der Erblasser- auf die Erbengeneration von ca. 2,5 Billionen EUR erwartet. Der sinkenden Geburtenrate steht eine steigende Lebenserwartung der Bevölkerung gegenüber, so dass den künftigen Erblassern keine adäquate Zahl von Erben zur Verfügung steht. Selbst wenn Erben vorhanden sind, bietet es sich aus unterschiedlichen Motiven für den Erblasser an, einen Teil seines Vermögens auf eine Stiftung zu übertragen. Von großer Bedeutung für Erben in ungünstiger Steuerklasse oder mit zu geringen Steuerfreibeträgen ist die Vorschrift des § 29 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG. Hiernach erlischt die Erbschaft- oder Schenkungsteuer rückwirkend, wenn ein Erbe oder Beschenkter die durch Erbschaft oder Schenkung erworbenen Gegenstände innerhalb von 24 Monaten einer Stiftung zuwendet, die steuerbegünstigten Zwecken im Sinne der §§ 52 – 54 der AO dient. (mit Ausnahme der so genannten Freizeitzwecke im Sinne des § 52 Abs. 2 Nr. 23 AO). Dies ist ein Vorteil, den das Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz ausschließlich bei Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen bietet. Die besonderen steuerlichen Vorteile für Stiftungen veranlassen immer mehr gemeinnützige Vereine eine Stiftungen zu errichten.

III. Strategie für das Gemeinwohl

Das seriöse Erbschaftsmarketing kann für einen gemeinnützigen Verein oder eine Stiftung ein neues Kapitel von Mittelbeschaffung eröffnen. Dabei sollte über das Thema Erbrecht sachlich aufklärend informiert werden, insbesondere Pflichtteilsrecht und mögliche Pflichtteilsansprüche Dritter, die die Zuwendung eines Spenders für die Stiftung gefährden können. Information über Formvorschriften und Grundzüge des Steuerrechts runden die Information ab.

Beim Erbschaftsmarketing ist mit großer Sensibilität vorzugehen, da das Tabuthema Tod angesprochen wird. In einer Gesellschaft, die die Endlichkeit des Menschen verdrängt, kann die Hinwendung gemeinnütziger Einrichtungen zum Thema befreiend für den Einzelnen wirken. Das Erbschaftsmarketing kann ihn anregen, eine Nachlassregelung mit einem persönlichen Beitrag für eine bessere Welt in einer besseren Zukunft zu treffen.

Näher zum Thema: Ratgeber Deutscher Stiftungen, Band 3, Stiftung und Nachlass von RA Dr. Lutz Förster

 
 

FOCUS»Einer der führenden Experten im Erbrecht«